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DAS FESTUNGSWERK

   Die Festung Lusern steht auf der Anhöhe "Cima Campo" 1549 Meter über Meeresniveau gleich oberhalb des Ortes, nach dem sie benannt wurde. Für ihre Errichtung gegen Ende des Jahres 1904 erwarb das kaiserliche Kriegsministerium ein weitläufiges Gelände, das aufgrund seiner Lage geeignet war, Vezzena und einen großen Teil der weiter östlich liegenden Gebiete der Hochebene zu dominieren. Nach Erteilung der Baugenehmigung am 31. Jänner 1905, begann unter Leitung des Kapitäns Lacom am 15. Juli 1908 die Realisierung eines Bauwerkes, das dem Höchststand der damaligen Militärtechnik entsprach. Die Festung umfasste neben dem eigentlichen Hauptwerk, das zusammen mit der Festung Verle den Ausgang der Assaschlucht kontrollieren sollte, noch zwei befestigte Vorposten: Viaz im Osten (mit seiner gepanzerten Kuppel auf 1507 Meter), das die Funktion eines Beobachtungspostens für die Kampalm und das Torratal innehatte, sowie der Vorposten Oberwiesen im Westen (mit einer Batterie zur Infantriebekämpfung auf 1517 Meter), von wo aus die Kontrolle des Asticotals möglich war. Diese drei Bauwerke waren untereinander durch unterirdische Tunnel und Fußstiegen verbunden, die eine Länge von vielen hundert Metern aufwiesen und von Wachposten gesichert wurden.

 

   Während die Vorposten gepanzerte Stellungen von mittlerem Ausmaß waren, bestand das Hauptwerk aus einem teilweise in den Fels eingehauenen Block, mit drei überirdischen Stockwerken und einer mehr als drei Meter dicken bombensicheren Stahlbetondecke. Mit einem Volumen von über 200.000 Kubikmetern - gegenüber den 51.000 der Festung Verle und den knapp 100.000 der Festung Belvedere-Gschwent - war er eines der wichtigsten Bauwerke, die der Kaiser zur Verteidigung der alten tiroler Landesgrenze errichten ließ. Um Infanterieangriffen standhalten zu können wurde das umliegende Gebiet mit einem Netzwerk von Stacheldrahtverhauen, ooooooooooooooooooo

Der Eingang des Stützpunktes 1916

 

Maschinengewehrstellungen und Wassergräben überzogen, die eine Breite von zehn und eine Tiefe von vier Metern aufwiesen.

Der Hauptschlafsaal der Festung war darauf ausgelegt, bis zu 218 Soldaten unterbringen, ein zweiter Ruheraum konnte weitere 77 aufnehmen. Außerdem gab es sechs Offiziersunterkünfte. Die Festung verfügte über eine eigene zentrale Stromversorgung, über Öl- und Wassertanks sowie über ein Pumpsystem für den Wassernachschub, das stündlich bis zu 1200 Liter von der Quelle Viazzi liefern konnte (die darüber hinaus über einen überdachten Fußweg zu erreichen war). Die Kommunikation mit den anderen osterreich-ungarischen Befestigungsanlagen erfolgte vermittels eines externen Telefonsystems, dessen Zentrale sich in Monterovere befand und in direkter Linie mit der Festung Verle und dem befestigten Aussichtsposten auf Cima Vezzena verbunden war; zudem gab es ein gesondertes Telefonsystem für die Artillerie. Das Hauptwerk war durch unterirdische Linien mit den beiden Vorposten verbunden und die Festung konnte durch Lichtsignalanlagen Kontakt zum Aussichtsposten auf dem Rustberg, zu den Festungen Belvedere-Gschwent, Cherle-San Sebastiano (von den Oberwiesen aus), zu Verle und Cima Vezzena halten.

 

Für die Errichtung der Festung wurden bis zum 20. Oktober 1912 mehrere Hundertschaften Arbeiteskräfte beschäftigt (von denen sehr viele Ortsansässige waren). Die Kosten für die Arbeiten waren ursprünglich auf 1.605.400 Kronen veranschlagt; nach vier Jahren Arbeit wurde das Bauwerk schließlich abgeschlossen, wobei sich die Kosten auf insgesamt 2.259.648 Kronen summiert hatten. Dies entspricht einem heutigen Wert von mehreren zehn Millionen Euro.

 
DIE BEWAFFNUNG

Lusern war bewaffnet mit vier Turmhaubizen von 10cm Kaliber, die auf drehbaren Panzerkuppeln installiert waren, mit zwei Schnellfeuerkanonen von 8cm Kaliber in der &qupt;Traditorenbatterie" (einer gepanzerten Kasematte), mit weiteren zwei Schnellfeuerkanonen von 6cm Kaliber für die Nahverteidigung sowie mit 19 Maschinengewehrnestern M 07/12. Im Gegensatz zu den Haubizen und Kanonen, die allesamt im Hauptwerk (auf Cima Campo) installiert waren, wurden die Maschinengewehrnester wie folgt verteilt: Elf für die Verteidigung des Kasemattenblocks, sechs für den Vorposten Oberwiesen und zwei für den Vorposten Viaz.

 
DIE SCHLACHT

Die Festung Lusern erlebte einen der dramatischsten Schusswechsel der gesamten Festungslinie auf den Hochebenen. Obgleich sowohl ihre Fähigkeit, selbst heftigsten Bombardierungen standzuhalten, als auch ihre enorme Feuerkraft und Verteidigungsstärke erprobt wurden und sie von den italienischen Militärs sogar den Spitznamen "Padreterno" (Gottvater) erhielt, geriet die Festung auf Cima Campo in große Schwiereigkeiten unter den schweren Bombardierungen von Seiten der Festung Verena ("Bosco dei Laresi"), Campolongo, Porta Manazzo, Foreste del Civello und Posellaro.

 

Aufgrund seiner Lage am empfindlichsten Abschnitt der gesamten Verteidigungslinie war die Festung während der ersten fünf Kriegstage einem unvorstellbaren Regen von Projektilen jeder Größenordnung ausgesetzt: Wäre es den italienischen Festungen gelungen, die Kapitulation Luserns herbeizuführen, so hätte sich der gesamte Verlauf des Krieges an der Südfront grundlegend geändert. Aus den Akten des Militärgerichtshofes zu Trient geht hervor, dass das Festungswerk Lusern am 25. Mai 1915 von der italienischen Artillerie ins Visier genommen wurde, die ihr Feuer bis zum 28. Mai ohne Unterbrechung fortsetzten. Dabei erzielte sie mehr als 5000 direkte Treffer mit Geschossen bis zu 28cm Kaliber. Die ooooooooooooooooooo

Der Vorposten Oberwiesen, 1915

gepanzerten Kuppeln der Festung wurden dadurch zerstört und die Panzerung des Zentralgebaüdes stark beschädigt. Bezüglich des 28. Mais wird berichtet: Seit drei Tagen war in der Festung nicht geschlafen worden, seit drei Tagen drangen keine Nachrichten von außen durch, da die Telefonleitungen, die nur zwei Meter im Fels tief im Fels verlegt waren, von den italienischen Projektilen zerstört worden waren.

 

Die Unerfahrenheit der Offiziere mit Angriffen derartiger Intensität und Dauer, die Unmöglichkeit aufgrund der schwächeren Artillerie effizient auf die Bombardierungen reagieren zu können und wegen der unterlegenen tieferen Lage gegenüber dem Feind (1549 Meter gegenüber den durchschnittlich 1900 Metern auf italienischer Seite), die Unmöglichkeit sich auszuruhen oder abgelöst zu werden, die Schwierigkeiten zu atmen bedingt durch Gas und Rauch, der durch die Risse in der Panzerung in die Festung eindrang, die immanente Explosionsgefahr der Öllager und das Wissen um die übliche Praxis an der galizischen Front, die Besatzung während Momenten schwerster Bombardierungen von den Festungen zurückzuziehen, bewegten den Kommandanten Emanuel Nebesar dazu zusammen mit den anderen Offizieren zu der Entscheidung, die Festung aufzugeben. Nach dem Hissen der weißen Flagge sollte die Festung trotz des Widerstandes des Oberleutnats Singer und der Offiziersanwärter Deutschmann und Wolfrum verlassen werden. Nachdem die weiße Falgge vom Reserveposten in Costalta entdeckt und der Vorfall auch an die Festungen Belvedere-Gschwent und Verle gemeldet wurde, begann zuerst die eine und dann die andere Cima Campo mit Antiinfanteriegeschossen (Schrappnells) zu beschießen, um einen Einnahme Luserns durch feindliche Truppen zu verhindern. In der Folge gelang es dem Freiwilligen Jochler die Festung zu erreichen. Dieser bestieg das Dach der Festung und riss die weiße Flagge herunter.

Der Kommandant Nebesar wurde vor das Kriegsgericht gestellt und sowohl in erster als auch in zweiter Instanz freigesprochen, da sowohl die physischen als auch die psychischen Umstände ausschlössen, dass es sich um einen Akt der Feigheit handelte; vielmehr handelte es sich um menschliche Schwäche in einer absoluten Ausnahmesituation. Der Prozess wurde schließlich in der dritten Instanz aufgrund des Kriegsendes eingestellt. Aus den Prozessakten geht hervor, dass der Kommandant der Festung Trient angab, dass man, falls das Festungswerk Lusern gefallen wäre, die Front bis zur Mattarellolinie zurückziehen hätte müssen und dass man, wäre der italienische Vormarsch hinreichend schnell erfolgt, die Stadt hätte aufgeben müssen und sich sogar bis nach Gardolo hätte zurückziehen müssen. Am darauffolgenden Vormittag übernahmen der Oberleutnant Singer und die beiden Offiziersanwärter Deutschmann und Wolfrum, die sich bereits der Aufgabe der Festung widersetzt hatten, die Befehlsgewalt und Singer wurde zum provisorischen Festungskommandant ernannt. Nach seinen Aussagen waren die Schäden sehr viel weniger schwerwiegend, als sie zunächst erschienen, weshalb sofort mit den Reparaturarbeiten begonnen werden konnte.

Am 29. Mai wurde der Oberleutnant Schaufler zum Festungskommandant ernannt und am 30. Mai waren eine Haubize, die "Traditorenbatterie" mit ihren Kanonen von 8cm Kaliber und fast alle Maschinengewerknester wieder kampfbereit. Noch am 30. Mai leistete die Festung einen aktiven Feuerbeitrag gegen die angreifenden Italiener im Gebiet Cima Vezzena-Marcai-Vezzena. Am 9. Juni waren auch die übrigen Haubizen auf ihren drehbaren Panzerkuppeln wieder funktionstüchtig.

Aus den vorliegenden Daten geht hervor, dass die Festung während des Jahres vom 24. Mai 1915 bis zum 20. Mai 1916, von etwa 200 Geschossen mit 30.5cm, von 8100 mit 28cm und von mehr als 16.000 mit 14.9cm Kaliber getroffen wurde.

Im Jahr 1916, als sich die Festung bereits im Hinterland des österreich-ungarischen Vormarsches in Richtung der Hochebene von Asiago befand, der irrtümlich als Strafexpedition bezeichnet wird, aber tatsächlich einfach Frühjahrsoffensive genannt wurde, errichtete die Festungsbesatzung ein Monument zum Gedenken ihrer gefallenen Kameraden (das einzige der Festungen).

 
DIE 30er: JAHRE DER AUSSCHLACHTUNG

Nach Kriegsende ging das Festungswerk Lusern in das Eigentum des italienischen Staates über und blieb es bis zum Jahr 1927. Am Ende des Konflikts war die ehemalige österreich-ungarische Befestigungsanlage nach den verschiedenen vorausgegangenen Restaurierungsarbeiten in perfekter Funktionstüchtigkeit.

In den 30er Jahren jedoch sollte eine Reihe von Ereignissen die gesamte Festungslinie schwer zeichnen. Aufgrund der Kolonialpolitik der Regierung Mussolini, die das Embargo der Staaten des Völkerbunds provoziert hatte, war der italienische Staat sehr bald mit einem erheblichen Materialmangel auf dem Feld der metallverarbeitenden Industrie konfrontiert. Eine der Lösungsansätze um dem schweren Materialmangel Herr zu werden und die Versorgung mit Metallen zu verbesseren war die verstärkte Bergung von Kriegsschrott. Zunächst richteten sich die Bemühungen auf die Suche nach Patronenhülsen, Bombensplittern, Barackenlager und verschiedene Infrastrukturen, doch schließlich wendeten sich die Bemühungen auch den Festungswerken selbst zu.

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Die Festung heute

Bis auf einen Teil der Festung Belvedere-Gschwent wurden alle Festungen der Hochebene für die Schrottbergung freigegeben: In ihrem Inneren wurden große Dynamitladungen gezündet und die gepanzerten Bauten, die zwar dafür geschaffen waren, Bombardierungen standzuhalten, aber nicht Explosionen in ihrem Inneren, wurden auseinander gesprengt. Die Schäden waren enorm und ganze Teile der Festungen gingen irreversibel verloren.

 

Auf der zimbrischen Hochebene erwarb die Gemeinde Lusern die ehemalige Festungsanalage am 3. Juni 1935, um die Bergung des im Beton eingebetteten Stahls zu ermöglichen, und bereits am 16. des gleichen Monats hatte das Unternehmen Mondini die Genehmigung erhalten, die ersten Ladungen zu zünden; der eigentliche Aushub der Stahlteile wurde jedoch ortsansässigen Arbeitern anvertraut. Diese Beschäftigung brachte der lokalen Bevölkerung einen gewissen Wohlstand, die bereits schwer durch die Auswirkungen der großen Wirtschaftskrise getroffen wurde, die in jenen Zeiten ganz Europa erschütterte, aber zum Preis der Auslöschung eines wichtigen Geschichtszeugnisses. Nach Abschluss der Bergungsarbeiten war das oberste Stockwerk (das dritte) der Festungskaserne irreparabel beschädigt und mit ihm die Batterienblock; auch die beiden Vorposten Viaz und Oberwiesen wiesen schwerste Beschädigungen auf.

 
DIE JÜNGERE GESCHICHTE: WIEDERHERSTELLUNG

In den letzten Jahren wurde ein Projekt zur Bewertung und Wiederherstellung des ehemaligen ösetrreich-ungarischen Festungswerkes begonnen, dank der Bemühungen der Gemeinde Lusern und des Arbeitsamtes der Autonomen Provinz Trient. Seit 1990 wurden bemerkenswerte Anstrengungen zur Beseitigung von Schuttabfällen in Viaz und Oberwiesen unternommen, die nunmehr auch wieder von innen besichtigt werden können, zur Verputzung der tiefen Risse im Stützpunkt, zur Verstärkung einiger tragender Strukturen und einiger Dachkammern, zur Instandsetzung des Gefallenendenkmals, das 1916 errichtet wurde, zur Instandsetzung der Reste der Schützengräben und zur Wiedereröffnung des 210 Meter langen Tunnels zwischen den Vorposten. Nach vielen Jahren lässt das Werk Lusern heute erneut durch seine gewaltigen Bauten den hohen Stand der damaligen habsburgischen Militärtechnik erahnen.

 


Das Denkmal für die Gefallenen, das 1916
von der Festungsbesatzung errichtet wurde

DIE BESICHTIGUNG (VON LUSERN AUS)

Wanderweg Baiti/Hüttn: Ausgehend von der Piazza C. Battisti/Pill (am Eck des Hausmuseums "Haus von Prükk") ist das Festungsgebiet zu erreichen, indem man dem dem Wanderweg (Nr.49) folgt. Dies ist der kürzeste, wenngleich auch steilste Aufstieg (mittlerer Schwierigkeitsgrad).

Straße Malga Campo: Ausgehend von der Piazza C. Battisti/Pill folgt man der Via Cima Nora/Pletz und bleibt stets auf der Hauptstraße bis man die Kampalm (Malga Campo) erreicht. Von dort führt der Weg direkt in das Festungsgebiet. Man gelangt zunächst zum Vorposten Oberwiesen und dahinter zum Hauptwerk. Gemischter Weg niederen Schwierigkeitgrades.

Von Millegrobbe:
Nachdem man etwa zwei Kilometer der Straße gefolgt ist, die Lusern mit dem Vezzenapass verbindet, kann man das Auto bei der ehemaligen Alm Millegrobbe di Sotto - Centro Fondo Millegrobbe parken. Von dort folgt man zu Fuß der Schotterpiste der Festung für 1,8 Kilometer. Weg niederen Schwierigkeitsgrades.

 

Für Informationen und Gruppenführungen:

Centro Documentazione Luserna
Via Trento 6
38040 Luserna (TN)

Telefon: (0039) 0464-789638
Mail: turismo@lusern.it
   
 
 
 

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CENTRO DOCUMENTAZIONE LUSERNA o.n.l.u.s.  -  via Trento 6, 38040 Luserna, Trentino, Italia  -  mail: info@lusern.it